Die Wetterlage am heutigen Donnerstag 31 Oktober 2019

Ein umfangreiches Hochdruckgebiet beeinflusst unser Wetter über Mitteleuropa. Dabei wird über seine Ostflanke Kaltluft zu uns geführt. Dieses hat heute ein eher ruhiges kaltes Herbstwetter zur Folge bei dem Nebel und Sonne sich abwechseln aber bei dem es auch weiterhin sehr kühl ist. Aber wenn wir nach West schauen, dann sehen wir abnehmenden Druck was atlantische Tiefs zeigen, die am Wochenende eine Wetterumstellung einleiten.. Das Hoch dagegen wird sich bis zum Wochenende nach Kasachstan verlagern. Vielfach herrschen heute einstellige Temperaturen und über Skandinavien nördlich von Stockholm Dauerfrost mit zweistelligen Minusgraden in Murmansk. Rund um das Mittelmeer sind vielfach zweistellige Werte zu erwarten und über Italien und Spanien findet sich milde Luft mit Temperaturen von 20 Grad und darüber. Der Wind ist vielfach unauffällig und selbst über den britischen Inseln und Island eher schwach.

Das Höhenwetter

Wir sehen hier die Grafik der Höhenwetterkarte 850 hPa ( 1.44 bis 1.5 km Höhe ) und 500 hPa ( 5 bis 6 km Höhe ). Dargestellt ist das Geopotential in Meter. Das bedeutet, das in dieser Höhe die jeweiligen Druckverhältnisse erreicht werden. Das 850 hPa-Druckniveau beschreibt die planetarische Grenzschicht. Das bedeutet, das in dieser Höhe der Boden seinen Einfluss verliert. Mit den Werten kann man Rückschlüsse auf das Bodenwetter ziehen wie z.B. Temperatur oder Wind in Böen. Eine Faustformel sagt, das der Mittelwind in 850 hPa den Böen in 300 Meter entsprechen kann und bei instabilen Verhältnissen in die Böen am Boden bestimmen kann. Das heisst, das, wenn in 850 hPa 75 km/h ( Stärke 9 ) vorherrschen sind oberhalb 300 Meter diese Windgeschwindigkeiten in Böen möglich und bei Schauern oder Gewittern auch in Bodennähe. Unter der Annahme, das, die Temperaturen um 0.65K pro hundert Meter abnimmt kann man, mit Kernntniss der Höhe des 850 hPa Druckniveaus die mögliche Bodentemperatur bestimmen. Dabei benötigt es aber auch, die Kenntniss der geografischen Höhe des jeweiligen Ortes.

Das 500 hPa Niveau beschreibt den Bereich der Höhenkaltluft und des Bereichs des sogenannten Mid Level Jets. In diesen Bereichen findet man oftmals die  sogenannten Kaltlufttropfen und Höhentiefs, die in den Bodenwetterkarten nicht zu sehen sind. Der vertikale Windunterschied zwischen Bodenwind und dieser Höhe beschreibt die sogenannte vertikale hochreichende Windscherung, die wichtig ist, um zu bestimmen ob bei Gewitterlagen organisierte Strukturen wie Superzellen zu erwarten sind. Zudem sind hier auch Tröge und Rücken gut zu erkennen wobei hier auch die 300 hPa eine wichtige Rolle spielt. Das ist die Höhe von 9000 bis 10000 Meter.

Nun wir sehen keine Hochdruck- oder Höhentiefzelle in 5 bis 6 km Höhe und auch der Wind ist nicht sonderlich stark. Über Skandinavien werden gerade mal 45 Knoten in 500 hPa erwartet. Die Defination des Jets liegt bei 60 Knoten. Auch der Temperaturunterschied zwischen Nord und Süd ist nicht sonderlich hoch. Bei Sturmlage sind die Temperaturunterschiede nicht gerade unwichtig. Oftmals betragen die Unterschiede zwischen Island und den Azoren, bei ausgewachsenen Sturmlagen 40 oder 50 Grad. Dabei zeigt sich oftmals eine ausgeprägte Frontalzone was wir aber derzeit nicht haben. Unser Bodenhoch ist auch in 850 hPa recht deutlich zu sehen. Im Grunde können wir keinerlei signifikante Anomalien erkennen.

Prognose

Am Freitag nehmen nach Südwesten hin, die Höhenwinde zu und erreichen in 5 bis 6 km Höhe Geschwindigkeiten von 45 Knoten über Frankreich und 65 Knoten über dem Ostatlantik. Es lässt sich eine mögliche Trogentwicklung am schwarzen Meer erkennen während bei uns ein Höhenrücken wetterbestimmend ist. In 850 zeigt sich im Vorfeld der definierten Trogachse ein Tiefdruckgebiet und auf der Rückseite ein Hoch. Jedoch sieht man auf dem Ostatlantik ein sich aufbauendes kräftiges Tief. Die Temperaturen in dieser Höhe steigen an und makieren eine zunehmende Warmluftadvektion von Südwesten her. Vor allem südlich und südwestlich der britischen Inseln nehmen in dieser Höhe der Wind zu und erreicht Geschwindigkeiten von 40 bis 50 Knoten. Auch über Belgien zur französischen Grenze hin zeigt sich ein Starkwindfeld mit bis zu 45 Knoten in 850 hPa aber regional kleinräumig begrenzt. Über Deutschland nimmt der Wind zwar zu aber nicht signifikant. Allerdings hat sich der Rücken und das resultierende Bodenhoch nach Osten verlagert und der Tiefdruckeinfluss nimmt aus Westen zu.

Das kräftige Tief über dem Atlantik zeigt sich auch auf den Bodenwetterkarte während das Bodenhoch über dem schwarzen Meer zu finden ist. Dabei wirkt sich die Warmluftadvektion auch auf die Bodentemperaturen besonders im Südwesten aus, wo bereits am Mittag zweistellige Plusgrade gerechnet werden.

Am Samstag ziehen die Temperaturen noch weiter an und am Oberrhein sind bereits in den Mittagstunden Werte von 15 Grad zu erwarten. Der Wind nimmt zu und zeigt sich kräftig in den Hochlagen vor allem im Bereich des Schwarzwaldes mit Böen von 30 bis 40 Knoten. In 850 hPa hat der Wind auch zugenommen aber durch die Warmluftadvektion auch in der Höhe herrschen stabile Verhältnisse, und somit ist ein herabmischen des Höhenwindes eher unwahrscheinlich. Dabei zeigen sich auch in 850 hPa deutliche Plusgrade von 6 bis 9 Grad. Im Bereich des Tiefkerns über Irland zeigt sich Kaltluftadvektion mit Temperaturen in 850 hPa von 0 bis -1 Grad. Hier könnten sich eventuell instabile Verhältnisse einstellen. Der Wind in der Höhe zeigt sich wenig signifikant. Dieses ändert sich allerdings über der Biskaya und westlich davon. Hier werden Geschwindigkeit von 50 bis 65 Knoten gerechnet. Im Bereich des Mid Level Jets zeigt sich ein Jetstreak südwestlich von Irland mit Geschwindigkeiten von 112 Knoten und der Polarjet mit 145 Knoten. Der Tiefkern des genannten Tiefs findet sich dabei unter dem günstigen linken Jetauszug, was förderlich für Hebung und Druckabfall ist. Im Bereich des Tiefkerns zeigt sich ein Kern mit Höhenkaltluft mit Werten von -25 bis -30 Grad in 5 bis 6 km Höhe. Im Vergleich zur Temperatur in 850 hPa wird ein deutlicher vertikaler Temperaturunterschied erkennbar, der förderlich für eine Destabilisierung der Luftmasse ist. Schauer und Gewitter können die Folge sein.

Am Sonntag liegt das System über dem Osten von den britischen Inseln mit dem Potential einer Trogentwicklung über Frankreich. Der vertikale Temperaturunterschied bleibt dabei erhalten. Bei den Höhenwinden ändert sich nur wenig. Der Mid Level Jet bleibt besonders südwestlich von Irland stark. Hier zeigt sich in 850 hPa ein deutliches Starkwindfeld von 50 bis 60 Knoten. Die Warmluftadevktion bleibt wetterbestimmend und verstärkt sich über dem Südosten und Osten Deutschlands mit 15 Grad in 850 hPa. Die Bodentemperaturen bleiben dagegen auf verhaltenen Niveau und deutet sogar auf eine mögliche Inversion in den genannten Gebieten hin. Das Bodentief hat sich zur Nordsee verlagert und zeigt sich durch einen kräftigen Wind über der Nordsee aus. Direkt am Kern und nördlich davon sind Böen von 45 bis 60 Knoten zu erwarten was sich aber auf die offene See beschrängt. Jedoch zeigen sich auch über Südfrankreich Sturmböen die sich auch auf das westliche Mittelmeer auswirken. Dabei können sich an der spanischen Mittelmeerküste, den Balearen, der französischen Mittelmeerküste bis Algier und Italien Sturmböen eventuell auch schwere Sturmböen entwickeln. Bei uns in Deutschland zeichnet sich nur der Brocken signifikant im Windprofil ab. Am Montag steigt dann besonders in den Mittelgebirgen ( Schwarzwald, Vogesen, Harz aber auch Alpen ) sowie an der Nordsee das Risiko von Sturmböen und mehr ab. Eine überregionale Sturmlage sieht man aber nicht.

Please follow and like us:
Über Udo Karow 257 Artikel
1975 in Siegburg geboren. 1992 Hauptschulabschluss Hauptschule Kaarst-Büttgen. Mitarbeiter im Sicherheitsdienst Zertifizierung nach §34a IHK-Nürnberg 2003. Seit 2009 Hobbymeteorologe. Seit 2013 als ehrenamtlicher Meteorologe bei Unwetteralarm GmbH. Erfahrung in der Wettervorhersage sowie der Unwettervorhersage, Synoptik, Kartenmeteorologie, Radar- und Satellitenmeteorologie.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*