Radiosondenaufstiege 11-08-2020

Radiosondenaufstieg Meiningen 11-08-2020
grafische Darstellung des Aufstieges mit garfischen Hilfsmitteln wie der eingezeichneten Gewitterwolke
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Analyse der Radiosondenaufstiege und des Satellitenbildes

Radiosondenaufstiege und deren grafische Auswertung

Satellitenbild mit Isobaren und Temperatur 11-08-2020
Satellitenbild von 17 Uhr und Temperaturen von 18 Uhr

Das Satellitenbild zeigt viele Schauer und Gewitter über Deutschland und Frankreich aber auch Teile Italiens und dem Balkan. Die für Deutschland relevant sind sind die , die in der feuchtwarmen instabilen Luftmasse entstehen die vom Mittelmeerraum zu uns gelangt. Eine Konvergenz stützt durch Hebung die Gewittersituation. Von Nordosten gelangt durch das Hoch über Skandinavien stabilere Luft zu uns die recht schnell erwärmt wird. Die stabilere Luftmasse erkennt man durch den Klaren Himmel. Diese Luftmasse verdrängt die schwülwarme Luft etwas nach Süden und sorgt im Norden und Nordosten für eine Wetterberuhigung.

Im Rest des Landes haben sich wie erwartet, heftige Gewitter gebildet die auch Unwetterpotential hatten / haben. Zudem ist es ( 18 Uhr ) hochsommerlich warm bis heiß wie die Temperaturen zeigen.

Die Radiosondenaufstiege aus den Mittagstunden zeigen es recht gut. Radiosondenaufstiege sind für die synoptische Analyse und den sogenannten Nowcast unersetzlich.

Radiosondenaufstieg Greifswald 11-08-2020

Greifswald im Nordosten hat zwar etwas Energie zu bieten aber auch eine Inversion und einen starken Deckel. Hier ist Konvektion eher unwahrscheinlich da der CIN ( Energie die zur Überwindung des Deckels aufgebracht werden muss um zum freien Aufstieg ( LFC ) zu gelangen. Aufgrund fehlender Feuchte eher unwahrscheinlich.

Schaut man sich aber Meiningen und Essen an so sehen wir recht hohe Energiewerte ( Cape ). Ich habe hier folgende Werte makiert :

Radiosondenaufstieg Essen 11-08-2020
grafische Darstellung der Sonden von Wetterballonen
Radiosondenaufstieg Meiningen 11-08-2020
grafische Darstellung des Aufstieges mit garfischen Hilfsmitteln wie der eingezeichneten Gewitterwolke

MLCape : Mixed layer Cape ( ermittelt über Temperatur, Taupunkt über das LCL )
MuCape : Most Unstable Cape ( ermittelt aus dem labilsten Paket der untersten 300 hPa )
SB-Cape : Surface Base Cape ( ermittelt aus Bodentaupunkt und Bodentemperatur )

Der SB-Cape ist dabei der ungenauste Cape weil diese vom Boden abhängig ist. Die beiden anderen Capearten sind deutlich zuverläsiger. Cape ist die für die Gewitter verfügbare Energie. Je mehr desto kräftiger können Gewitter ausfallen.

LCL : Der LCL bedeutet ausgeschrieben Lifting Convective Level = hier liegt in der Regen die Basis eines Gewitters. Je niedriger dieser liegt desto eher kann die bodennahe Scherung LLS greifen und zu Verwirbelungen führen. Das erhöht die Tornadogefahr bei entsprechender Scherung bei organisierter Konvektion.

LFC : Lifting free Convektion : Das ist der Bereich an dem ein warmes Luftpaket ungehindert aufsteigen kann.

EL : Das El ist das Gleichgewichtsniveau. Das ist der Bereich an dem die Temperatur des aufsteigenden Luftpaketes der seiner Umgebung entspricht. Das heisst, hier endet der Aufstieg des Luftpakets und es bildet sich bei Gewittern der Anboss. Ein starker Aufwind kann dieses Niveau durchbrechen und den sogenannten Overshooting Top bilden. Das sind Quellungen oberhalb des Ambosses die diesen durchstoßen haben. Dieses ist oftmals ein untrügliches Zeichen für ein möglichen Schwergewitter da für einen Overshooting Top viel Energie benötigt wird um die starken Aufwinde erzeugen zu können.

Ein weiteres mögliches Indiz ist das EL bzw. das ET. ET wird die gleichgewichtstemperatur genannt. Je niedriger dieser ist desto höher ist der Amboss und desto mehr Energie ist erforderlich um das Niveau zu erreichen.

Ein weiteres ist die hochreichende Scherung. Dieser wird Deep layer Shear genannt und ist die Scherung im Bereich 0 bis 6 km. Wird ein gewisser Schwellenwert erreicht kann es zu organisierter Konvektion z.B. Superzellen kommen.

Es gibt noch viele weitere Werte die aus den Soundings ermittelt werden können wie zum Beispiel auch der sogenannte D-Cape. Das nennt sich Downcraftcape und gibt an wie hoch das Risiko für Mikrobursts ist. Bei einer großen Fläche ist das Risiko erhöht.

Weitere sind Labilitätsindizen wie den KINX = K-Index = Konvektionsindex
Lift : Lifted Index = Labilitätsindex
Show : Showalter Index = Labilitätsindex
Swet : Severe Weather Index = Index für die Möglichkeit von Schwergewittern

Die Werte findet Ihr auf meiner Website unter dem Reiter Wetterwissen.

Über Udo Karow 540 Artikel
1975 in Siegburg geboren. 1992 Hauptschulabschluss Hauptschule Kaarst-Büttgen. Mitarbeiter im Sicherheitsdienst Zertifizierung nach §34a IHK-Nürnberg 2003. Seit 2009 Hobbymeteorologe. Seit 2013 als ehrenamtlicher Meteorologe bei Unwetteralarm GmbH. Erfahrung in der Wettervorhersage sowie der Unwettervorhersage, Synoptik, Kartenmeteorologie, Radar- und Satellitenmeteorologie.

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