Sturm ja oder nein ? Blick auf die Wetterlage und mögliche Entwicklung !

windstaerkenskala

Derzeit wird in manchen Medien schon von einem Sturm gewarnt der uns Sonntag / Montag beschäftigen soll. Nun zuerst sei gesagt das es derzeit keine Warnungen gibt. Ja es gibt eine Entwicklung die alle Meteorologen im Auge behalten. Allerdings ist die genaue Entwicklung noch unklar.

Isobarenkarte und Fronten
Isobarenkarte und Fronten sowie 500 hPa Strömung und Geopotential

Deutschland befindet sich heute auf der Vorderseite eines umfangreichen hochreichenden Tiefdruckgebiet mit Kern bei Schottland und dem Seegebiet zwischen Island und Schottland. Der Gegenspieler ist ein hochreichendes Hochdruckgebiet über Nordafrika. Zwischen beiden findet sich eine wellende Höhenströmung. Über Deutschland verlagert sich das Frontensystem des Tiefdrucksystems ostwärts und sorgt für viele Wolken und Regen und später wechselhaftes Wetter mit Schauern und lokalen kurzen Gewittern. Dabei strömt zunächst warme aber auch feuchte Mittelmeerluft zu uns bevor aus Westen wieder kühle und feuchte Meeresluft herangeführt wird. Dieses Wechselspiel ist bei sollchen Wetterlagen normal. Es ist die Westwetterlage die uns derzeit beeinflusst und auch weiter beeinflussen wird.  Das Tiefdrucksystem wird sich langsam in Richtung Skandinavien verlagern während sich das Hochdrucksystem nur wenig verändert. Die wellende Höhenströmung bleibt dabei bestehen und sorgt weiterhin für das rasche Wechselspiel zwischen Tief und Zwischenhoch und milder sowie kühler Luft. Das Augenmerk allerdings gilt der Warmfront auf dem Atlantik. Diese gehört zu einem Tief, das uns dann ab Sonntag viel Wind bringen könnte.

Am Samstag ist das Frontensystem von heute schon okkludiert. Das bedeutet, das aus der Warm- und Kaltfront eine Mischfront geworden ist. Dabei zeigt sich am südlichen Ende noch der Rest der Kaltfront über dem Alpengebiet. Deutschland befindet sich dabei auf der Südflanke des Tiefdrucksystems das sich mittlerweile nach Norwegen verlagert hat wo sich der Höhentiefkern befindet. Dabei setzt vorrübergehend Druckanstieg und eine Wetterberuhigung ein. Dennoch sind in der eingeströmten Kaltluftmasse einzelne Schauer möglich. Auf dem Atlantik zeigt sich das schon erwähnte Tief, das sich langsam Irland nähert. Es liegt auf der Rückseite eines Höhenkeils im Bereich eines Hebungsfeldes.

Am Sonntag findet dann die interessante Entwicklung satt. Nun das erwähnte Tief gerät in das Zirkulationsmuster des Tiefdrucksystems über Skandinavien während sich der Gegenspieler über Afrika weiter behauptet. Somit bleibt uns das Wechselspiel zwischen Kalt und Warm erhalten. Nun zeigt sich selbst der Polarjet als ein stark wellendes Starkwindband und verläuft dabei auch über Deutschland. Dabei verlagert sich ein Höhenkeil rasch ostwärts und im Warmsektor des neuen Tiefs setzen Hebungsvorgänge ein mit dem Resultat von vielen Wolken und Regen. Nun nach den Modellen gibt es zur weiteren Entwicklungen unterschiedliche Berechnungen. Dem nach gibt es ein Potential der Sturmentwicklung an der Südflanke des Tiefs, bei dem ein Starkwindfeld über Deutschland ziehen könnte. Dabei reicht die Spanne von harmlosen starken Böen bis hin zu möglichen Orkanböen. Allerdings zeigen die meissten Wettermodelle eine eher harmlosere Variante. Allerdings gibt es durch positive Vorticityadvektion die mit der Höhe zunimmt das Potential der Vertiefung des Tiefs und somit den Aufbau eines kräftigen horizontalen Druckgradienten zwischen Norddeutschland und dem Alpenraum. Auch die Kaltfront muss beobachtet werden denn diese befindet sich Möglicherweise im Einfluss eines schmalen Troges und somit im Bereich möglicher deutlicher Dynamik. Hierbei könnte die Kaltfront konvektiv ausgeprägt sein und es wäre durchaus denkbar, das mittels vertikalen Impulstransport der Höhenwind besonders bei Schauern oder Gewittern herabgemischt werden kann.

Somit können wir folgendes Fazit ziehen : Es ist ein Sturm eventuell sogar Orkan möglich aber die derzeitigen Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung sind sehr hoch. Auch der Extremwetterindex für Windböen zeigt von Sonntag bis Montag überdurchschnittliche Werte zum eigentlichen Mittel. Somit werden wir die kommende Entwicklung weiter abwarten müssen.

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Über Udo Karow 267 Artikel
1975 in Siegburg geboren. 1992 Hauptschulabschluss Hauptschule Kaarst-Büttgen. Mitarbeiter im Sicherheitsdienst Zertifizierung nach §34a IHK-Nürnberg 2003. Seit 2009 Hobbymeteorologe. Seit 2013 als ehrenamtlicher Meteorologe bei Unwetteralarm GmbH. Erfahrung in der Wettervorhersage sowie der Unwettervorhersage, Synoptik, Kartenmeteorologie, Radar- und Satellitenmeteorologie.

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