Unwetterlage 19-08-2026

starkes Gewittersystem sorgte für Schäden in Deutschland und auch Thüringen

Radarsignatur im Dopplerradar zeigt deutlich verdächtiges Echo für einen möglichen Tornado im Bereich Ohrdruf, Thüringen 

Am gestrigen Mittwoch zog aus Westen ein sehr starkes Gewittersystem über das Land das auch Superzellen produzierte. Superzellen sind die stärkste Art eines Gewitters und diese zeichnen sich auch durch ihre Langlebigkeit aus. Unter Umständen können Superzellen auch in Deutschland Tornados produzieren und genau das ist gestern passiert. So haben wie Minimum einen bestätigten Tornado und mehrere Verdachtsfälle.

Ursache war eine starke vertikale Windscherung. Das bedeutet, das der Wind mit der Höhe deutlich zunimmt und / oder die Richtung mit der Höhe ändert. Als Gegenpart hatten wir wenig Energie was aber durch die vertikale Windscherung kompensiert wurde. Ausgelösste Konvektion ( Schauer / Gewitter ) konnten durch die kinetische Energie ( ausgelösst durch die Windscherung ) profitieren und es bildeten sich organisierte Zellstrukturen bis hin zu Superzellen. Diese rotierenden Gewitterzellen brachten sehr viel Regen, teilweise Hagel und teils schweren Sturm und halt die möglichen Tornados.

Die Grafiken zeigen zum einen das Stormtracking unterlegt mit dem Radarbild gestern Abend über Thüringen und den sogenannten Radiosondenaufstieg von Meiningen in Thüringen. Dieser zeigt uns durch einen Wetterballon den Zustand der Atmosphäre wodurch wir Meteorologen weitere Parameter ablesen können. Hierbei zeigt sich, das wir eine deutliche vertikale Windscherung hatten mit rund 50 Knoten ( ca. 25 bis 26 m/s ) hochreichende Scherung was für die Bildung von Superzellen ausreichend ist. Zudem war der sogenannte SRH3 mit 150 m2/s2 für Superzellen ausreichend. Wir nennen eine solche Wetterlage Low Cape / high Shear. Das bedeutet, das wir zwar wenig Energie und Labilität hatten aber eine hohe Scherung und bei einer sollchen Lage reicht ein Schubs nach oben und es können sich Schauer und Gewitter entwickeln die dann auch organisiert auftreten können bis hin zu Superzellen.

 

Im weiteren Verlauf bildete sich eine Linie aus die mit Sturm und starken Regenfällen über Thüringen ( südlicher Bereich ) ostwärts hinweg zog. Teilweise wurden an Stationen Sturmböen bis hin zu schweren Sturmböen registriert und sogar eine Orkanböe wurde in Dermbach Lindenau gemessen. Dementsprechend wurde auch von Sturmschäden berichtet wie abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume und teilweise kamen Berichte aus Deutschland und Belgien von schweren Gebäudeschäden.
Ob und wie viele Tornados es gab ist noch unklar. Von mindestens zwei wissen wir es, weil diese dokumentiert wurden. Zum einen trat in Fürstenwalde und zum anderen in Oberndorf Solms einer auf.
Hinweis : Mittlerweile hat der deutsche Wetterdienst in diesem System in Deutschland 9 Tornados bestätigt ! 
Die Grafik zeigt das sogenannte Dopplerradar. Dieses kann Rotationen durch verschiedene Partikelströme erkennen. Dabei ist grün bis hellblau die Strömung zum Radarstandort hin und alles was rot bis violett ist, bewegt sich vom Radarstandort weg. Stehen hohe Geschwindigkeiten gegensätzlich so nah beieinander so sehen wir deutlich starke Rotation was auf einen Tornado hinweisen kann. Hier zeigen sich quasi sehr verdächtige Strukturen im Radarbild was einem Tornado sehr nahe kommt. Somit ist ein Auftreten eines Tornados in dieser Region wahrscheinlich.
Hinweis : Dieser Tornado wurde mittlerweile durch den deutschen Wetterdienst bestätigt ! 
Tornados in Deutschland und auch Verdachtsfälle finden Sie auch auf der Seite Tornadoliste
Über udo karow 103 Artikel
1975 in Siegburg ( NRW ) geboren. Seit 2018 in Thüringen. Seit 2009 in der Meteorologie aktiv. Frührentner.

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